Fünf Thesen zu Herbert Marcuse als kritischer Theoretiker der Emanzipation

I. Marcuse interpretiert die Emanzipationsprinzipien möglicher sozialrevolutionärer Prozesse in den spätkapitalistischen Industriemetropolen in dem Sinne, dass die empirische Basis der Selbstentfremdung nicht mehr die mittelbare Erfahrung unmittelbaren Elends, sondern die bewusst zu erfahrende soziale Widersprüchlichkeit, Apathie und Integration ist. Im Zentrum der Marcuseschen Revolutionstheorie steht die Frage: wie kann unter den Bedingungen einer repressiven Befriedigung der materiell elementaren Bedürfnisse das Bedürfnis nach Emanzipation entfaltet werden? Wie können die Bedürfnisse nach …

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Konstitution und Klassenkampf

Hans-Jürgen Krahl (1943-1970) war der Theoretiker der antiautoritären Studentenbewegung. Die in diesem Band versammelten Aufsätze, Redevorlagen und Notizen sind erstmals 1971, kurz nach seinem frühem Unfalltod, erschienen. Es handelt sich um politische Reflexionen, von tagesaktuellen Stellungnahmen bis zu abstrakten Spekulationen und philosophiehistorischen Exkursen.  Inhalt:Angaben zur PersonZur Wesenslogik der Marxschen WarenanalyseBemerkungen zur Akkumulation und Krisentendenz des KapitalsRevolutionäre Theorie und existenzielle RadikalitätOntologie und Eros – zur spekulativen Deduktion der HomosexualitätZu Henri Lefèbvre …

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Thesen zum allgemeinen Verhältnis von wissenschaftlicher Intelligenz und proletarischem Klassenbewußtsein

Die revolutionäre Bewegung in Westdeutschland steht aufgrund der politischen Verlaufsform ihrer antiautoritären Aktionsgeschichte und ihrer theoretischen Zurechnung zur kritischen Tradition des wissenschaftlichen Sozialismus vor dem revolutionstheoretisch und strategisch entscheidenden Problem: Wie sind die – der Unterdrückungssituation in der spätkapitalistischen Industriemetropolen angemessenen und im Medium des antiautoritären Bewußtseins begründeten – historisch neuen Vernunftsprinzipien der Emanzipation zur überlieferten Substanz der geschichtlichen Klassenkämpfe zu vermitteln, ohne einem undurchschaubaren Traditionalismus revolutionärer Situationen zu verfallen, …

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Der politische Widerspruch der Kritischen Theorie Adornos

Adornos intellektuelle Biographie ist bis in ihre ästhetischen Abstraktionen hinein von der Erfahrung des Faschismus gezeichnet. Die Reflexionsweise dieser Erfahrung, die an den Gebilden der Kunst den unauflösbaren Zusammenhang von Kritik und Leiden abliest, macht die Kompromisslosigkeit des Anspruchs auf Negation aus und weist ihn zugleich in seine Grenzen. In der Reflexion auf die durch die ökonomischen Naturkatastrophen der kapitalistischen Produktion hervorgetriebene faschistische Gewalt, weiss das »beschädigte Leben«, dass es …

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Ontologie und Eros – Zur spekulativen Deduktion der Homosexualität

Eine lemnatische Skizze Metaphysische Ontologie hat die eleatische Lehre der Identität von Denken und Sein zum Zentrum, die idealistisch in eine der Identität des Denkens mit sich selbst mündet. Mit der Entstehung der europäischen Philosophie als des sich aufklärenden Mythos verleiht sie dem Versuch, angesichts der noch ungesicherten Aneignung feindlicher Natur und der zaghaften Emanzipation der Menschen von deren Zwang die prekäre Identität nach innen wie nach aussen abzusichern, einen …

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Angaben zur Person

Aussage im Senghor-Prozeß am 16. Okt. 1969 Angaben zur Person zu machen, kann nicht heißen, auch nicht im Hinblick auf ein Gericht wie dieses, zu definieren, was man heute noch hämisch genug “Persönlichkeit”, nennt. Es kommt darauf an, dass wir den Erfahrungshintergrund darstellen, der den Politisierungsprozess und damit auch die Studentenbewegung, so wie sie in ihrer antiautoritären Phase sich gebildet hat, erklärt. Und es sind, was meine Person anbelangt, sehr …

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